„Der Ball liegt jetzt beim Finanzminister“ | SPORT & MARKE

„Der Ball liegt jetzt beim Finanzminister“

Absagen, Verschiebungen, Geisterspiele – auch das Sportprogramm wurde von Corona durcheinandergewirbelt. Eine logische Folge sind finanzielle Einbußen der Klubs und Verbände. Hans Nissel, Präsident der Bundes Sportorganisation Sport Austria pocht auf eine politische Reaktion.

Wie schätzen Sie die Lage ein?
Niessl: Viele unserer Sportvereine sind aktuell in ihrer Existenz bedroht und stehen tatsächlich an der Kippe! Keiner von ihnen darf zurückgelassen werden. Jeder leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und zum sozialen Zusammenhalt in Österreich.

Sie fordern eine Soforthilfe von 100 Millionen Euro für den Österreichischen Spitzen- und Breitensport. Wie zuversichtlich sind Sie?
Niessl: Ich habe eine Soforthilfe, ein Kraftpaket, von mindestens 100 Millionen Euro für unseren Breiten- und Spitzensport gefordert. Wir befinden uns diesbezüglich in einem regen Austausch mit Sportminister Werner Kogler. Da er die Sache ähnlich sieht, sind wir sehr zuversichtlich.

Wird das ausreichen? Gerade der Amateur und Breitensport lebt von den Einnahmen im Sommer, der 2020 sicher anders laufen wird als bisher.
Niessl: Deshalb habe ich ja mindestens 100 Millionen Euro als Sofortmaßnahme gefordert. Betonung auf mindestens und auf Sofortmaßnahme. Wir werden mehr benötigen. Das meint auch der Sportminister. Den tatsächlichen Schaden kann man aber noch nicht abschätzen. Dieser soll nach ähnlichen Kriterien wie bei den Wirtschaftsunternehmen festgestellt und über Strukturen des Sports, beispielsweise die Bundes-Sport GmbH, transparent abgegolten werden. Der Ball liegt jetzt beim Finanzminister. Eile ist geboten. Der Sport benötigt die Auszahlungen eigentlich noch im April.

Wird der Österreichische Sport wieder zu einem „Normalbetrieb“  zurückkehren oder sehen Sie gravierende Einschnitte, die die Krise auch nachhaltig mit sich bringt?
Niessl:
Gerade jetzt in der Corona-Krise zeigt sich die Wichtigkeit des Sports für die Bevölkerung besonders deutlich. Viele Menschen erkennen, welch wichtiges Gut die Gesundheit ist und welche Rolle Sport gerade bei der Frage der Stärkung des Immunsystems spielt. Deshalb müssen wir die Vereine durch die Krise bringen. Denn danach werden wir sie mehr denn je brauchen. Übrigens auch bei der Umsetzung der täglichen Bewegungseinheit in den Schulen. Da muss sich, wie im Regierungsprogramm eigentlich vorgesehen, nach der Krise endlich etwas bewegen.