Es braucht Leute die professionell arbeiten | SPORT & MARKE

„Es braucht Leute, die professionell arbeiten“

Kronenzeitung

März 2018

Janine Flock, Skeleton Vize-Weltmeisterin und zweifache Europameisterin steht ab 31. März ohne Verband da. Im Interview spricht die 28-jährige Athletin über Olympia, Sponsoren und was sich ändern muss.

Ist Erfolg planbar und wie gut war Ihr Pyeongchang-Plan?
Janine Flock: Erfolg ist planbar. Man braucht eine gute Taktik und viele ausgeklügelte Einzelpläne für das Sommer- und Wintertraining sowie einen Ernährungsplan, Regeneration, Therapien und die Vorbereitung auf die einzelnen Rennen. Alles ist bis ins letzte Detail geplant. Unser Plan für Pyeongchang war gut. Wir hatten ja kaum Rückhalt vom Verband und waren nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Jede Woche mussten wir uns einer neuen Situation stellen und sehr flexibel sein.

Ist die verpasste Medaille auch eine verpasste Chance für Sie und den Skeleton- Sport in Österreich?
Flock: Vielleicht schon, ich weiß es nicht, weil wir sie nicht haben. Aber es war Wahnsinn, wie viele Leute unseren Sport verfolgt haben. Für mich war es ein ganz spezieller Olympia-Moment. Positiv wie negativ. Es war unglaublich, wie viele Menschen mitgefiebert haben und letztendlich enttäuscht über die verpasste Medaille waren. Das Drama, dass ich die Goldmedaille im letzten Moment verloren habe, hat viele mitgerissen. Auch wenn wir keine Medaille haben, so haben wir viel Aufmerksamkeit erhalten.

Hat Ihnen Olympia neue Sponsoren gebracht?
Flock: Leider noch nicht, da einige Firmen die offen stehende Verbandssituation abwarten möchten. Zum Glück habe ich den Rückhalt aktueller Sponsoren. Im Moment sind uns die Hände gebunden. Es hängt vieles in der Luft. Für mich als Athletin ist das sehr nervenraubend. Ab 31. März gibt es keine Trainer, kein Verbandsbüro und keine Ansprechpersonen mehr. Mir sind die Hände gebunden.

Der Österreichische Bob- und Skeletonverband (O?BSV) muss sich strukturell ändern. Wie?
Flock: Es braucht ein Leitbild, ein Konzept, Visionen. Man braucht einen Grundstein, auf dem man aufbauen kann und Leute, die professionell arbeiten. Ein Verband muss wie ein Unternehmen geführt werden. Da fließen Gelder. Es braucht Jugendförderung, professionelle Trainer und Physiotherapeuten, die auch bezahlt werden. Es braucht mehr Professionalität.

Sie werden auf Österreichs größtem Sport-Kongress „Sport & Marke“ am 7. Mai in Wien auftreten. Wie wichtig sind solche Branchentreffs für Sportler?
Flock: Sehr wichtig. Im Endeffekt treffen sich zwei Partner verschiedener Lager, die beide Erfolg anstreben. Der Leistungssport könnte ohne Firmen und Sponsoring nicht funktionieren. Ich glaube, die ganze Welt be- steht aus Netzwerken und man strebt immer Win-Win- Situationen an. Auch für Firmen ist der Sport eine perfekte Plattform, um ihr Ziel zu repräsentieren.

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist Skeleton in Österreich eine Randsportart. Wie finanzieren Sie sich?
Flock: Neben den Sponsoren erhalten wir öffentliche Fördergelder, die allerdings je nach den Ergebnissen angepasst werden. Zudem bin ich beim Bundesheer angestellt, um meinen Lebensunterhalt zu sichern.

Erst vier Monate vor Olympia hat man Ihnen einen Physiotherapeuten organisiert. Kommen die Förderungen im Sport richtig an?
Flock: Wenn die Gelder richtig ankommen würden, dann müssten Physiotherapeuten, Trainer und der Betreuerstab finanziert sein. Das war bei uns nicht ganz der Fall. Wir haben uns unseren Service- mann selbst bezahlen müssen.

Was wünschen Sie sich?
Flock: Wir haben bei den Olympischen Spielen gesehen, dass man mit sehr wenigen Mitteln erfolgreich sein kann. Es bräuchte nicht viel, damit es perfekt ist. Wir sind jetzt in der Phase, in der wir handeln und planen müssen. Jetzt ist die Sportpolitik gefordert.