Neuer TV-Vertrag: Wie viel ist ein Tor jetzt wert? | SPORT & MARKE

Neuer TV-Vertrag: Wie viel ist ein Tor jetzt wert?

Horizont Online

13. November 2017

Exklusive Pay-TV-Präsenz bringt der Bundesliga Rekorderlöse. Was das für Sponsoren und den Werbewert bedeutet.

Der Trend zu Sportübertragungen im Pay-TV geht weiter: Nach der Fußball-Champions-League und der deutschen Fußball-Bundesliga wird auch Österreichs höchste Spielklasse ab 2018/19 exklusiv nur noch im Pay-TV zu sehen sein. Die Klubkonferenz der Bundesliga einigte sich auf die Grundsatzentscheidung, dass Sky die Exklusivrechte an der heimischen Fußball-Bundesliga von 2018/19 bis 2021/22 erhält. Für das Free-TV bleiben von den 195 Spielen der neuen Zwölferliga – erstmals seit 1993 wird wieder mit mehr als zehn Klubs gespielt – vier Livespiele, Zusammenfassungen mit maximal 90 Sekunden pro Spiel und eine Highlightshow übrig.Das Rechtepaket lässt sich der Pay-TV-Sender einiges kosten. 34 Millionen Euro brutto pro Saison in den ersten vier Jahren wurden kolportiert, im Paket enthalten ist auch eine Option auf vier weitere Jahre, die mit 41 Millionen Euro zu Buche schlagen. Alles in allem bekam die Bundesliga also ein 300 Millionen Euro schweres Paket auf den Tisch gelegt. Konkrete Zahlen kommunizierte die Liga wie gewohnt nicht, sondern sprach lediglich von einer Steigerung um 40 Prozent. Bislang zahlten ORF und Sky gemeinsam 22,5 Millionen Euro. Die Vereine lukrieren mit einem Schlag beachtlich mehr an TV-Geldern. Doch was bedeutet das für den Werbewert der Klubs im Pay-TV-Zeitalter? Eine Prognose von Nielsen Sports zeigt Tendenzen. Diese errechnete für den Wechsel der Champions-League-Übertragungen in Deutschland ins Pay-TV einen Werbewertverlust von 90 auf 20 Millionen Euro, also einen Rückgang von über 75 Prozent. Droht ein ähnliches Szenario für Österreich – und damit harte Nachverhandlungen mit den Sponsoren, die auch für ihre Präsenz in den Medien bezahlen und darum ringen?

Vorteile eines Printlandes
Die gute Nachricht für die Klubs: Österreich ist auch bei der Fußball-Berichterstattung ein starkes Printland – und daher kaum mit Deutschland zu vergleichen. Auf diesen Punkt weist Focus-Österreich-Geschäftsführer Marcel Grell gegenüber HORIZONT hin: „Im Rahmen der Fußball-Bundesliga-Berichterstattung haben in Österreich die Printmedien eine sehr starke Bedeutung.“ Im Berichtsjahr 2016 wurden laut Focus über Printmedien 54 Prozent des erzielten Bruttowerbewertes generiert, dazu kamen 27 Prozent von Sky und 19 Prozent vom ORF. „Die Fußball-Bundesliga ist somit auch nicht mit dem Alpinen Ski-Weltcup vergleichbar, wo der ORF-Anteil am Basis-Bruttowerbewert fast 90 Prozent ausmacht“, sagt Grell. Zudem sei die Frage der Highlight-Show und der Livespiele (bei denen sich die Liga etwa den Publikumsmagneten Wiener Derby wünscht) noch ein entscheidender Faktor. Jedenfalls sei ein Werbewert-Rückgang wie im deutschen Champions-League-Fall „für Österreich nicht realistisch“, fasst Grell den weitestgehenden Wegfall der Livespiele aus dem Free-TV zusammen.